Krankheiten und Schädlinge der Kartoffel

Die Kartoffel ist überwiegend aus wasser- und nährstoffreichem Gewebe aufgebaut. Das macht die Knollen besonders anfällig gegenüber mechanischen Beschädigungen, Temperatureinwirkungen und Krankheiten wie z.B. Knollennaßfäule oder Schwarzbeinigkeit. Zusätzlich verursachen Krankheitserreger an der Pflanze alljährlich Verluste in Millionenhöhe z.B. durch Kraut-und Knollenfäule, durch tierische Schädlinge wie z.B. Kartoffelkäfer, Nematoden oder durch Viren.

Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans)

  1. Krautfäule Diese Pilzkrankheit zerstört das Kraut, wodurch es vorzeitig abstirbt und damit das Knollenwachstum zum Stillstand bringt.
  2. Knollenfäule Der Pilz kann auch die Knollen befallen, indem er sich
    1. weiter innerhalb der Pflanze ausbreitet und bis in die Knolle vordringt oder
    2. Pilzsporen vom Laub auf den Boden fallen und dann von außen an die Knolle gelangen.

Der Schaden zeigt sich in einer Verhärtung und Verbräunung des Kartoffelmarks = Trockenfäule, beginnend vom Rande her.

früher war eine Bekämpfung nicht möglich mit der Folge großer Hungersnöte!

heute: Bekämpfung mit chemischen PS-Mitteln, deren Einsatz unter Zuhilfenahme modernster Technik

(Verarbeitung von agrarmeteorologischen Daten) und Anwendung verschiedener Prognose - Modelle

auf den notwendigen Mindestumfang reduziert werden:

  1. Amber = Prognose-Modell zur Ermittlung des Erstauftretens von Phytophthora = Spritzbeginn
  2. Simphyt = Prognose- Modell zur Ermittlung des am besten geeigneten Präparates und zum Einsparen von chemischen Maßnahmen bei entsprechender Witterung z.B. Verlängerung der Spritzabstände bei anhaltender Schönwetterperiode.

Knollennaßfäule und Schwarzbeinigkeit

Die Erreger dieser Bakterienkrankheiten sind in allen Böden vorhanden. Schwarzbeinigkeit tritt vornehmlich in der Jugendentwicklung der Staude bei kühl, feuchter Witterung auf. Das Pflanzgut kann latenten Befall mit den Bakterien aurweisen. Mit einem verstärkten Auftreten der Knollennaßfäule ist dagegen zu rechnen bei hoher Bodenfeuchte und offenen Eintrittspforten bei der Ernte, z.B. durch Verletzungen oder offene Lentizellen an der Knolle.

Die Knollennaßfäule äußert sich in einem breiartigen Zerfall des Knollengewebes mit sehr unangenehmem Geruch.

Die Schwarzbeinigkeit zeigt sich an einer breiigen, schwarzbraunen Fäule der Triebe, die meist von der Stengelbasis her kommt.

Eine direkte Bekämpfung dieser Bakterienkrankheiten ist nicht möglich ! Helfen können nur indirekte Maßnahmen wie z.B. vermeiden von Verletzungen der Knollen, Maßnahmen zur Wundheilung durch alsbaldige Trocknung der Knollen.

Kartoffelkäfer

Der Kartoffelkäfer zählt zu den wichtigsten tierischen Schädlingen. Sowohl die Käfer, insbesondere aber deren Larven können durch Fraßschäden erhebliche Ertragsausfälle verursachen. Dabei können große Flächen innerhalb von Tagen völlig kahlgefressen werden. Die Pflanze wird ihrer Assimilationsfläche beraubt, was zu einem sofortigen Einstellen des Knollenwachstums führt. Die Verluste sind um so größer, je kiemer die Kartoffeln in ihrer Entwicklung sind, d.h. je frühzeitiger der Fraßschaden eintritt. Der Schädling wurde per Schiff von der amerikanischen Ostküste um 1872 nach Europa eingeschleppt. In einem zweiten Anlauf ab 1922 breitete er sich rasch in Westeuropa aus; jedes Jahr drang er etwa 100 km weiter ins Landesinnere vor.

Bekämpfung: der beste Zeitpunkt für eine chemische Bekämpfung liegt im frühen Larvenstadium. Zur Ermittlung des optimalen Einsatztermines wird auch für Kartoffelkäfer ein Prognose-Modell ( SIMLEP) erarbeitet. Es steht zur Zeit noch in der praktischen Erprobung.

Viruskrankheiten

Das vermehrte Auftreten von Viruskrankheiten ist der Grund für den Rückgang der Erträge bei Wiederverwendung von selbsterzeugtem Pflanzgut ( sogenannter eigener Nachbau). Unter dem Begriff,, Abbaukrankheit" versteht man eine Anhäufung von Viruskrankheiten im Pflanzgut. Die Übertragung von Viren geschieht mechanisch von Pflanze zu Pflanze oder durch Vektoren wie z.B. die grüne Pfirsischblattlaus. In Weinbau-regionen herrschen optimale Bedingungen für Pfirsischblattläuse, so daß in diesen Landesteilen ein Nachbau nicht zweckmäßig (= sogenannte Abbaulagen) ist. Dort ist ein jährlicher Pflanzgutwechsel notwendig. Gesundes Pflanzgut wird in sogenannten" Gesundlagen" z.B. in den Küstenregionen an der Nord- und Ostsee, in den Niederlanden und in bestimmten Regionen Bayerns und Niedersachsens vermehrt.

Bei der Pflanzgutvermehrung ist das Freihalten der Bestände von Virusbefall eine der wichtigsten Aufgaben.

Im Konsumanbau bedingt ein Virus- Befall meist nur geringe Ertragseinbußen. Eine Ausnahme macht hier das Y^^-Virus. Bei anfälligen Sorten verursacht ein Befall mit diesem Y-Typus halbkreisförmige dunkle Ringe auf der Knollenschale, die meist nur l bis 2 mm tief ins Gewebe eindringen. Anfangs ist das Gewebe leicht verbräunt, später platzt es auf und stirbt ab. Die Knolle wird im Normalfall nicht zerstört. Eine direkte Bekämpfung ist nicht möglich, nur vorbeugend über gesundes Pflanzgut bzw. Anbau weniger anfällige Sorten.

Dr. Dietmar Demmler
ehem. DLR Rheinhessen - Nahe - Hunsrück

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